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Der DSP-Newsblog

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Die Tausendundvierzehnte Nacht

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„Der Sprung ins Ungewisse eröffnet uns neue Möglichkeiten, die wir nicht erahnen können, wenn wir nicht springen.“

Mit diesen Worten richtete sich Herr Uffmann vergangenen Samstag an uns Abiturienten. Tatsächlich hatten wir zu diesem Zeitpunkt des Abiballs einen kleinen Sprung ins Ungewisse mit vielen offenen Fragen bereits hinter uns: Wird die Musik funktionieren? Finden wir beim Tanzen den richtigen Takt? Oder schlagen wir bei unserem Sprung, anstatt im Wasser zu landen, auf einem Felsen auf und – was noch viel schlimmer wäre – erleiden den gesellschaftlichen Ruin? Am Ende erübrigten sich jedoch all diese Fragen und Ängste, denn der Abiball 2016 wurde, um es in Herrn Frischs Worten zu sagen, zu einem rauschenden Abschluss eines langen Märchens.

Dabei sah es am Anfang überhaupt nicht danach aus. Bereits um 16 Uhr traf ein Abiturient nach dem anderen im Narodni Dum na Vinohradech ein – aufgeregt, übermüdet wegen des Frisörtermins in aller Frühe oder hungrig wegen Mahlzeiten, die ausgelassen wurden, um das Volumen von Kleidern und Anzügen nicht überzustrapazieren. Hier und da musste dann noch ein Tisch aufgestellt werden, an anderer Stelle fehlte ein Programm und die Technik im Ballsaal erinnerte uns an alte Tage an der DSP. Nachdem diese organisatorischen Angelegenheiten gemanagt wurden, ging es an die tänzerische Vorbereitung. Dabei wurde aus der Generalprobe eine fünffache Wiederholung des Einmarsches und des Vortanzens, wonach wir von unserem Tanzlehrer Herrn Kopecky mit gequälter Miene und folgenden Worten abgefertigt wurden: „Erzählt bitte keinem, dass ihr das Tanzen von mir gelernt habt.“ Immerhin eine Person konnte sich bei dieser Probe freuen und das war Alice. Als Mitabiturientin und Choreographin unserer Mitternachtsüberraschung konnte sie ihr Glück kaum fassen, dass wir nach all den Trainingsstunden der vergangenen Woche ENDLICH alle Schritte beherrschten und dabei auch noch synchron tanzten. Der Rest von uns war nach all dem Hinundhergelaufe und Getanze mit den Nerven am Ende und so nutzten wir die verbleibenden Stunden zur Erholung, sahen den Sechstklässlern dabei zu, wie sie bei ihrer Probe eine viel bessere Figur als wir machten,  oder sprachen den etwas nervösen Moderatoren Lea und Peter aus Klasse 11 Mut zu.

Lampenfieber und Pannen bei den Vorbereitungen hin oder her: Um 19 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Sofort wurden Hände geschüttelt, Nettigkeiten ausgetauscht und erste Fotos geknipst, sodass wir schnell die ganze Aufregung vergaßen und uns mit unseren Familien, Lehrern und Freunden auf den Abend einstimmten. Eine halbe Stunde später ging es dann endlich los: Die Moderatoren begrüßten von der Bühne aus die Gäste – von Nervosität keine Spur – und anschließend eröffneten Frau Beuerle und Herr Dolezal mit ihrer Ansprache den Ball. Danach wurde es ernst. Allerdings noch nicht für uns, sondern für die Sechstklässler, die sich für ihre Tanzeinlage zu einem Musicalhit aus Grease sowie für ihre Immatrikulation feiern ließen. Dabei fragten wir uns schon, was es da eigentlich zu feiern gibt, wenn man noch sechs lange und qualvolle Schuljahre vor sich hat… Aber vielleicht hat sich der DSP-Nachwuchs diesen Moment im Rampenlicht gerade deshalb mehr als verdient und wie zu erwarten wurde der Auftritt ein voller Erfolg! Einen kleinen Haken hatte die ganze Sache dann aber doch: Aus irgendeinem Grund dauerte die feierliche Immatrikulation nicht annähernd so lange wie im Programm vorgesehen und so verschob sich ein wichtiger Programmpunkt um einige Minuten nach vorne. Der Einmarsch der Abiturienten. Doch wo waren wir Abiturienten? Verstreut im ganzen Narodni Dum, vielleicht gerade bei einem Glas Sekt mit der Oma oder noch beim Schminken auf der Damentoilette. Der anwesende Teil von uns rannte also hektisch durch das Gebäude und versuchte irgendwie den Rest zusammenzutrommeln, bis wir uns jene wichtige Frage stellten: Wie viele sind wir nochmal im Jahrgang? Da wäre es vielleicht doch ganz gut gewesen, sich die Statistiken aus Frau Beuerles Rede zur Zeugnisübergabe in der deutschen Botschaft einzuprägen. Ohne also zu wissen, ob wir tatsächlich vollzählig waren, schritten wir erhobenen Hauptes in den Ballsaal hinein. Die Musik war uns aus der Turnhalle der DSP nur allzu gut bekannt. Als wir dann durch das Blitzlichtgewitter hindurch in die stolzen Gesichter unserer Liebsten sahen, wurde uns klar: Das ist unser Moment. Alles andere war erstmal egal, denn: We are the champions, my friend! Neben diesem Queen-Klassiker bekamen die Gäste bei der Schärpenübergabe noch viele andere Songs zu hören, die zuvor jeder für sich persönlich ausgewählt hatte. Nach der Schärpenübergabe an uns Abiturienten gab es noch eine kleine Überraschung. So könnten Herr Uffmann und Herr Frisch ihrem Bekanntenkreis nun jeweils ganz stolz ihre Schärpe präsentieren und behaupten im Jahre 2016 Abitur gemacht zu haben. Nachdem wir uns also ausgiebig feierten und feiern ließen, kam, was kommen musste: Wir wagten uns aufs Tanzparkett. Ehrlich gesagt genossen wir aber auch diesen Teil des Abends die meiste Zeit über – bis auf die letzten Minuten des Walzers, die wir Tanzpaare hauptsächlich damit verbrachten uns gegenseitig zuzuflüstern: „Wie lange geht das denn noch?“ Bei dem späteren Tanz mit unseren Eltern fragten sich einige von uns wiederum, wie sich wohl die Tanzlehrer unserer Eltern – sofern es denn welche gab – fühlen müssen, wenn sich schon Herr Kopecky für unsere Tanzschritte schämt, die dagegen höchst professionell wirken.  

Aber genug vom Tanzen. Schließlich gab es beim Abiball noch ganz andere Highlights. Ein absoluter Höhepunkt waren natürlich die Reden unserer Klassenlehrer Herr Frisch und Herr Uffmann. Herr Frisch erzählte uns ein ganz besonderes Märchen von 1001 Nacht, nämlich unser eigenes, das mit dem Abiball bzw. der 1014 Nacht enden sollte. Er sprach von den verschiedenen Etappen im Leben eines „Oberstufenkarawanenteilnehmers“ und blickte zurück auf pinke Klassenzimmer, die Belgradfahrt oder „die lange Nacht der besten aller Wissenschaften.“ Viel Gelächter ging dabei durch die Reihen von uns Abiturienten, doch gleichzeitig füllten sich einige Augen so langsam mit Tränen. Da war es ganz gut, dass Herr Uffmann in seiner Rede nach vorne blickte und uns für unseren weiteren Weg die Trottellummen als Vorbild anbot: So wie die Trottellummen wenige Wochen nach ihrer Geburt den Sprung vom Brutfelsen ins Wasser wagen, sollten wir uns in unser neues Leben stürzen. Dies erfordere zwar Lebensmut, doch Herrn Uffmann zufolge haben wir Mut schon oft bewiesen, zum Beispiel indem wir uns auf Wandertage begaben, bei denen er den Weg nie  kannte, wie er selbst endlich zugab. Als Herr Uffmann dann jedem von uns auch noch ein kleines Bild einer Trottellumme schenkte, brachte das bei vielen das Tränenfass zum überlaufen. Und es blieb emotional: Darija und Enrico bedankten sich in ihrer Rede im Namen aller nicht nur bei unseren Karawanenleitern, sondern bei allen Lehrerinnen und Lehrern und so holten sich diese auf der Bühne nicht nur ihren wohlverdienten Applaus, sondern auch Rosen oder das berühmte Belgrad-Selfie im Großformat ab. Nach vielen Umarmungen und getrockneten Tränen, kam es genau richtig, dass eine Schülergruppe die Bühne rockte und da es unserem Jahrgang trotz all unserer Errungenschaften nie gelungen war, Gesangstalente hervorzubringen, bestand diese aus Antonia, Paulina und Alexi. Wenig später durften aber auch wir zeigen, was wir drauf haben, denn es wurde Zeit für die Mitternachtsüberraschung. Streng genommen wurde diese ihrem Namen eigentlich überhaupt nicht gerecht, denn sie fand weder um Mitternacht statt noch war es eine Überraschung und trotzdem wurde sie am Ende sogar zur „besten der letzten Jahre“ erklärt. Wir hatten uns die Seele aus dem Leib getanzt und Mario und Luigi haben für unsere zwei wunderschönen Prinzessinnen alles gegeben – vielleicht, um all die Energie und Emotionen aus uns herauszulassen, vielleicht aber auch, weil wir merkten, dass dies einer der letzten Momente war, den wir miteinander teilen würden. Und was für ein Moment! Beim letzten Lied, dem „Final countdown”, lagen wir uns dann alle irgendwie – verschwitzt, aber glücklich – in den Armen und auch jene unter uns, die sowohl die Abizeit als auch den Abiball wie einen unbegreifbaren Rausch erlebt hatten, realisierten endlich: Wir haben es geschafft!

(af)

 

 

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