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Warum Europa eine Flüchtlingsquote braucht

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Europa erlebt in der letzten Zeit die größte humanitäre Krise seit Jahrzehnten. Tausende von Flüchtlingen sind schon auf dem Kontinent eingetroffen, bis zum Ende des Jahres werden noch mindestens 800.000 erwartet. Die EU ist derzeit in Verhandlungen über eine „Flüchtlingsquote“, die rund 160.000 Migranten, hauptsächlich aus Syrien, in den EU-Mitgliederstaaten verteilen würde. Dies sind die Argumente für eine Flüchtlingsquote.

Erstens: Viele der syrischen Flüchtlinge haben die Schule abgeschlossen, viele sind an Universitäten ausgebildet worden oder haben einen Beruf erlernt. Somit könnten sie sich die Flüchtlinge relativ schnell in die EU-Wirtschaft und Berufswelt integrieren und damit mehr Geld in die Kassen europäischer Staaten spülen, als sie entnehmen würden. Diese These unterstützt eine Studie der CTO und der Weltbank, die besagt, dass „in den meisten Ländern Migranten mehr in Steuern zahlen, als sie in Sozialleistungen  bekommen“.
Zweitens: In einigen EU-Ländern, darunter auch Deutschland, stagniert die Bevölkerungswachstumsrate, z.B. starben in Deutschland im Jahre 2012 200.000 mehr Leute als geboren wurden. Um eine Wirtschaft zu haben, die auch langfristig gesund bleibt, braucht man fast immer eine steigende Bevölkerung. In dieser Hinsicht könnte die Flüchtlingsquote den europäischen Ländern helfen, ihre Bevölkerungswachstumsraten aufrecht zu erhalten. Ein Beispiel dafür ist die deutsche Stadt Goslau, deren Bürgermeister Flüchtlinge dazu einlädt, sich in seiner Stadt anzusiedeln, um die lokale Wirtschaft zu fördern und die schrumpfende Bevölkerung wieder zu vergrößern.
Drittens: Die Verteilung von syrischen, aber auch afrikanischen und von anderswo herkommenden Flüchtlingen durch Europa ist eine Chance, viele Länder, besonders weiter östlich liegende Staaten, wirklich multikulturell zu machen. Staaten wie Großbritannien oder Frankreich profitieren schon lange von ihren multikulturellen Gesellschaften, ohne ihre langjährigen Traditionen und einheimische Kulturen geopfert zu haben. Jetzt haben Länder wie Tschechien oder Ungarn die Gelegenheit, auch davon zu profitieren.
Viertens: Die Europäische Union hat sich für fast alle ihrer Mitgliederstaaten als finanziell oft lukratives Geschäft erwiesen. Dies gilt insbesondere für die osteuropäischen Mitglieder der EU. Allerdings sind es diese, die sich am meisten über eine Flüchtlingsquote beschweren. Um eine funktionierende und sinnvolle EU zu haben, müssen natürlich auch alle davon profitieren. Aber: Man muss auch bereit sein, etwas im Gegenzug zu leisten. Die Flüchtlingsquote ist eine Gelegenheit für diese Länder, z.B. Tschechien, Ungarn oder Polen zu beweisen, dass sie es mit ihrer Mitgliedschaft ernst meinen und bereit sind, etwas für die Union zu leisten.
Fünftens: Eine Flüchtlingsquote bedeutet, die Bereitschaft aller EU-Mitglieder etwas für die Union und für die Welt zu tun. Genau eine solche Zusammenarbeit könnte das Image der EU in den Augen der Welt  und besonders in denen ihrer eigenen Einwohner wiederherstellen und in der europäischen Gemeinschaft für eine Solidarität sorgen, die in den letzten Jahren sichtlich gefehlt hat und die zur verstärkten nationalistischen Rhetorik in vielen Ländern (Großbritannien, Frankreich, Dänemark usw.) beigetragen hat.
Letztens: Der Bürgerkrieg in Syrien läuft schon seit mehreren Jahren, der Islamische Staat sorgt seit 2013 für einen Terror, den die Welt so noch nicht erlebt hat. Tausende Menschen haben ihr Leben verloren, viele viele mehr ihr Zuhause, Arbeit, Sicherheit und Familie. Es ist die gesetzliche, aber – und umso mehr – die moralische Pflicht der EU, diese Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen zu helfen. Da müssen nun mal alle ihren Teil leisten, Europa schuldet es seinem Gewissen.

(jh)

EPP_Summit,_March_2015,_Brussels_(16240792574)

http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/germanys-economy-will-grow-faster-because-of-the-million-refugees-it-is-helping-study-finds-10505647.html

https://www.newscientist.com/article/mg22730383-800-why-welcoming-more-refugees-makes-economic-sense-for-europe/

Bild von Jean-Claude Juncker, dem aktuellen Präsidenten der Europäischen Kommission, https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Jean-Claude_Juncker_in_2015#/media/File:EPP_Summit,_March_2015,_Brussels_(16240792574).jpg

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