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Migranten für die Drecksarbeit

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Vor wenigen Wochen wurde dem SPIEGEL (Ausgabe Nr.28 /4.7.2015) ein internes Konzeptpapier des Reservistenverbandes der deutschen Bundeswehr bekannt.  Dieses trägt den Namen „Jahr des Zusammenhalts“ und sieht vor, den Bundesfreiwilligendienst gezielt auf Migranten, Einwanderer und anerkannte Asylbewerber auszuweiten. Im Idealfall sollen 400 000 junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren für Tätigkeiten in Pflege, Sozialdiensten und Bundeswehr motiviert werden. Roderich Kiesewetter, CDU-Bundestagsabgeordneter und Präsident des Reservistenverbandes, schlägt sogar vor, das Freiwillligenjahr für Migranten verpflichtend zu machen. Das ganze Vorhaben steht im Rahmen der Integration und soll Migrantinnen und Migranten ermöglichen, „einen Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft [zu] leisten.“

Als ich zum ersten Mal von diesem Konzeptpapier las, war mein erster Gedanke: Die wollen die Migranten die Drecksarbeit machen lassen. Tatsächlich gibt es seit der Bundesfreiwilligendienst 2011 den verpflichtenden Zivildienst ablöste, einen Mangel an Arbeitskräften und das ist einer der Gründe, weshalb die Pläne des Reservistenverbandes für mich einen faden Beigeschmack haben. Ganz nach dem Motto: „Niemand hat Lust, alten Menschen den Hintern abzuwischen oder bei der Bundeswehr  sein Leben zu riskieren, also lassen wir die Migranten das machen und verkaufen das Ganze dann als Integration.“

Integration?! Integration kann nur funktionieren, wenn beide Seiten, Einwanderer und Aufnahmegesellschaft, aufeinander zugehen. Hier würden aber ausschließlich die Migrantinnen und Migranten den ersten Schritt machen, indem sie Arbeit verrichten, die der Gesellschaft zu Gute kommt. Integriert werden sie dabei doch überhaupt nicht! Der Gedanke, dass sämtliche Migranten, Einwanderer und Asylbewerber von der Gesellschaft plötzlich mehr Anerkennung bekommen würden, weil sie mit dem Freiwilligendienst etwas zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft beisteuern, ist zwar sehr schön, aber auch unglaublich naiv und unrealistisch. Die Einstellung der meisten Bürgerinnen und Bürger gegenüber Migranten oder Asylbewerbern würde sich höchstwahrscheinlich überhaupt nicht ändern, viel eher würde sie sich verschlechtern. Ein Beispiel: Wer schon Probleme damit hat, dass im Nachsbaarörtchen eine Asylunterkunft eingerichtet werden soll, wird wohl auch nicht wollen, dass die eigene Mutter im Altersheim von Asylbewerbern gepflegt wird.

Klar, könnten diese während des Freiwilligendienstes in Kontakt mit anderen Bürgern kommen und dadurch möglicherweise in die Gesellschaft miteinbezogen werden, aber das geht doch auch anderswo? An einer Uni oder Ausbildungsstelle zum Beispiel. Wieso sollte ein Freiweilligenjahr für junge Migranten verpflichtend sein, während andere Gleichaltrige studieren oder sich ausbilden lassen können? Jedem muss hierbei doch sofort klar werden: Das ist Diskriminierung. Das Schlimme ist ja, dass bisher auch ungewiss ist, wie weit diese Diskriminierung gehen soll. Betreffen die Pläne von Kiesewetter auch Bürger mit Migrationshintergrund, die genauso deutsch sind wie ich oder Andere?

Bis diese und etliche andere Fragen beantworten werden, wird es wohl noch ein Weilchen dauern, doch am Liebsten wäre es mir, wenn das Konzeptpapier Konzept bleiben würde. Dessen Verwirklichung wäre für die Integrationspolitik in Deutschland ein großer Schritt nach hinten, denn Roderich Kiesewetter und Co. scheinen eine der fundamentalsten Aufgaben der Integration vergessen zu haben: Diskriminierung muss geächtet – nicht gefördert – werden.

(af)

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