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Aktuell aus Tunesien: Stefan Radakovic berichtet über die Folgen des Anschlags auf Sousse 

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Am 29. Juni 2015 attackierte in der tunesischen Stadt Sousse ein Terrorist die sich dort befindenden Touristen. Dabei kamen 38 Menschen ums Leben, die Schießerei dauerte ganze 30 Minuten.

Es wurde auf Opfer aus dem Vereinigten Königreich gezielt. Weswegen genau auf nur diese eine Nationalität gezielt wurde, kann man nur spekulieren. Tunesien befindet sich seitdem immer noch im Ausnahmezustand. Über 1.000 Polizisten wurden zusätzlich zur Überwachung von Hotels und Stränden eingesetzt, die Flughäfen haben ihre Kontrollen zugespitzt, mit Sonderkontrollen des Gepäcks bei Ankunft und in einigen Fällen, Sonderinterviews mit anreisenden Touristen.

Auf die tunesische Tourismusindustrie wartet ein sehr anstrengender Sommer. Viele Reisende brechen ihre Reisen ab, Flüge werden gestrichen und in Hotels sieht man kaum noch eine Menschenseele. Allein Flüge aus Prag sind von einer durchschnittlichen Belegung von 73 Prozent auf 52 Prozent gesunken. Die verbreitete Angst ist auch in Tunesien zu spüren, selbst in Djerba, einer Insel im Süden des Landes, sind die Folgen des Anschlags zu spüren. Ein Polizist meinte: „Die Menschen versuchen ruhig zu bleiben, und wir versuchen unser Bestes mit unserer Präsenz zu zeigen, dass wir hier zum Schutz sind. Viele der Menschen bekommen leider Panik, wenn sie einen Polizisten sehen, da er sie an das schreckliche Ereignis erinnert.“ In anderen Regionen des Landes, wo der Tourismus noch stärker die Wirtschaft prägt, sind die Folgen deutlich stärker zu spüren, so die lokalen Medien. Dabei sollen neben Sousse, Hammamet und Monastir besonders betroffen sein. Die Bevölkerung der Hauptstadt Tunis kriegt von der Situation weniger mit, da Tunis zurzeit nicht als gefährdete Zielscheibe angesehen wird. Von der politischen Seite sind in Tunis jetzt die Regierung sowie die Botschaften betroffener Länder sehr aktiv.

Seit dem Arabischen Frühling im Jahre 2011, ist die Lage in Tunesien wirtschaftlich immer schlechter. Zwar sieht man politisch sehr viele Fortschritte, die in Tunesien sehr lange gewünscht waren, jedoch ging die gesamte Revolution auf Kosten der Wirtschaft. Tunesien hängt sehr stark vom Tourismus ab und verdient daran am meisten Geld. Jedoch besuchen seit dem Jahre 2011 immer weniger Touristen das Land, aus Angst um ihren Urlaub – und seit neuestem – um ihr Leben. In Djerba stehen seit 2011 viele der Hotels leer und wurden geschlossen, viele Leute verloren ihren Job. Sousse und Hammamet haben sich noch halten können, doch auch dort sind die Zahlen rapide gesunken. Der Sommer von 2014 war der beste Sommer nach der Revolution und der zweite wo wieder schwarze Zahlen geschrieben wurden, ob der Sommer von 2015 wieder Profit bringt ist noch unklar. Eine solche Tragödie am Anfang der Saison könnte die Wirtschaft Tunesiens erneut ernsthaft schädigen. Die Behörden in Tunesien reagierten mit einer sehr kontroversen Kampagne, in welcher Plakate mit Abbildungen von Terroranschlägen in westlichen Ländern zu sehen waren mit der Überschrift „Würden Sie denn aufhören, diesen Ort zu besuchen?“, wobei Städte wie London und New York als Beispiele genommen wurden. „Die Doppelmoral, die bei sehr vielen Touristen eintritt, ist in dieser Form nicht mehr angemessen“, meinte ein britische Touristin. „Als ich das Plakat gesehen habe, erinnerte ich mich, dass nach den Anschlägen bei uns, deutlich weniger Angst bei Touristen verbreitet wurde, als jetzt in Tunesien. Meine Freundinnen wollten mich und meinen Mann nicht fahren lassen, meine Tochter macht sich ebenfalls tierische Sorgen um mich. Meiner Meinung nach sind die Medien dran Schuld.“ Eine tschechische Touristin meinte, dass sie keinerlei Bedenken hatte, als sie die Reise nach Tunesien angetreten hat. „Ich fühle mich hier sicher. Die Polizisten mit ihren Maschinenpistolen bemerke ich kaum, habe aber Vertrauen, dass sie meine Familie und die anderen Touristen beschützen werden.“ sagte die 34-Jährige.

Jedoch sind die Meinungen, die man in Tunesien von Touristen hier hört, nicht sehr repräsentativ, da die meisten ihre Reisen abgebrochen haben und nun nicht mehr nach Tunesien reisen möchten. Die Tatsache, dass es sich um ein muslimisches Land handelt, macht vielen Touristen Angst und die meisten trauen sich nicht ihre Reise anzutreten. Viele Europäer vor allem haben Angst vor einer stetig wachsenden Bedrohung und weichen lieber nach Spanien, Italien, Kroatien oder sogar ins fast bankrotte Griechenland aus. Dabei urteilen die meisten Touristen nur aufgrund eines Einzelfalls und obwohl der Anschlag sehr heftig war, sind die wirtschaftlichen Folgen schon jetzt zu sehen, mit vielen gefährdeten Arbeitsplätzen und weniger Möglichkeiten für das Land. Wie es genau wirtschaftlich für Tunesien weitergehen wird, sollte uns das Ende der Sommersaison zeigen. Ob Tunesien das Vertrauen so schnell zurückgewinnen kann wie London, oder Spanien (nach dem  Bombenanschlag 2004, welcher 191 Menschen das Leben kostete und über 1.800 schwer verletzte) ist noch unklar. Das Land hofft auf eine sehr schnelle Genesung.

Stefan Radaković 09.07.2015, Midoun, Tunesien

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