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Treffen sich drei Frauen in Münster …

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„Erstaunlich, da trafen sich vier NATO-Verteidigungsminister und drei davon sind Frauen“, so Anchorman Claus Kleber im ZDF heute-journal. Was für eine Aussage. Ich konnte meinen Ohren zuerst nicht trauen. Hat er das wirklich gesagt? Wenn es um das sogenannte Gender-mainstreaming geht, werde ich schnell empfindlich, muss man wissen. Wieso sollte es „erstaunlich“ sein, dass drei von vier Verteidigungsministern Frauen sind? Darunter Ursula von der Leyen (Deutschland), Jeanine Hennis-Plasschart (Niederlande) und Eriksen Søreide (Norwegen), die sich derzeit zu einem Treffen mit US-Verteidigungsminister Ashton Carter in Münster aufhalten.

Viele Menschen haben auf diese Frage sicher schnell eine Antwort parat: Weil das Verteidigungsministerium was für Männer ist. Und genau diese Sichtweise ist es, die mich so aufregt. Warum kann es nicht normal für eine Politikerin sein, das Verteidigungsministerium zu leiten? Klar, Frauen sind empfindlicher als Männer und angeblich zu zimperlich für das Amt, aber abgesehen davon, dass es sich auch hier wieder um ein blödes und nicht immer zutreffendes Klischee handelt, ist Deutschland das beste Beispiel dafür, dass Männer nicht unbedingt die besseren Verteidigungsminister sind. Auch wenn Frau von der Leyen unter anderem wegen des Wehretats und des G36-Gewehrs bisher mehr Kritik als Erfolge einstecken musste: Ihre männlichen Vorgänger von Franz Josef Jung über Karl-Theodor zu Guttenberg bis zu Thomas de Maizière haben das Amt mit Skandalen wie der Kunduz- oder Plagiatsaffäre in Verruf gebracht. Da kommt eine als zielstrebig und ehrgeizig geltende Politikerin wie Ursula von der Leyen doch gerade richtig. Und trotzdem hagelte es im Herbst 2013 von allen Seiten Kritik, als es hieß, von der Leyen würde ins Verteidigungsministerium wechseln. Von einer „psychologisch-mütterlichen“ Rolle der CDU-Politikerin war die Rede.

Im Großen und Ganzen lässt sich die hier auftretende Problematik auf die gesamte Berufswelt herunterbrechen: In Deutschland  sind die Rollenklischees in der Berufswelt immer noch stark verhaftet. Die Reaktionen auf die Personalentscheidung im Bundeskabinett 2013 haben uns abermals gezeigt: Frauen wird immer noch die Mutterrolle zugeschrieben und gleichzeitig die Kompetenz abgesprochen, einen typischen ‚Männerberuf‘ ausüben zu können. Ganz gleich ob es nun um die Leitung des Verteidigungsministeriums oder einen Posten im IT-Bereich geht, ‚Männerberufe‘ haben immernoch einen Frauenanteil von mickrigen 20 Prozent.

Um die Gleichstellung von Mann und Frau in der Berufswelt voranzubringen, reichen Maßnahmen wie die Frauenquote in Aufsichtsräten, wie sie ab 2016 gelten soll, allein nicht. Die veralteten Rollenklischees müssen aufgebrochen werden. Es muss sich endlich etwas in den Köpfen der Menschen ändern, damit es keiner mehr erstaunlich findet, dass drei von vier Verteidigungsministern weiblichen Geschlechts sind, was ja von Claus Kleber keineswegs negativ gemeint sein muss. Die Erstauntheit impliziert ja nur, dass der hier vorliegende Sachverhalt ungewöhnlich ist.

Deshalb, Herr Kleber und vielleicht auch weil Sie schließlich ein Kollege von Marietta Slomka sind, kann ich gerade noch über Ihre unglückliche Formulierung hinwegsehen.

(af)

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Bildnachweise

Kleber: https://commons.m.wikimedia.org/wiki/File:Claus_Kleber_Medientage_2014_by_Olaf_Kosinsky_Foto_3.JPG, Download am 24.06.2015

Leyen: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/14/Vonderleyen_2014_bundesverteidigungsministerin.JPG?uselang=de, by Dirk Vorderstraße (Fotograf), Download am 24.06.2015

Cartoon: IM 2015

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